Floating - einmal Nirvana und zurück ?

Floaten oder Floating (engl. = Schweben) bedeutet, an der Oberfläche einer nahezu gesättigten Lösung aus Wasser und Salz zu schweben. Mit der Wellness-Welle ist das Interesse am Floaten in Deutschland wieder angestiegen. Es gibt 3 sich überschneidende Stränge des Floatens: Wellness, medizinische Anwendung und Selbsterfahrung.

 

Einige Kurzentren und Wellness-Anlagen bereichern ihr Angebot durch die Aufstellung eines Floatariums. In Wellnesscentern steht der allgemein entspannende Aspekt des Floatens mit Musik im Vordergrund.  Ein Zeichen der Wellness-Ära sind auch die Float-Rooms (z.B. floaten zu zweit oder mit mehreren Personen).


Im medizinischen Bereich wird derzeit das Floaten in der Schmerzmedizin, Orthopädie, Dermatologie und Sportmedizin erforscht. Erste Kliniken nutzen das Floating z.B. zur Behandlung von Rheuma. Der Deutsche Floatingverband setzt einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf die wissenschaftliche Erforschung des Floatings.
Der Dritte Bereich des Floatens - die Selbsterfahrung - ist eng mit der Vorgeschichte des Tanks und seinem Erfinder John C. Lilly verknüpft. Der Delfin- und Bewusstseinsforscher John C. Lilly entwickelte 1954 den Isolationstank, um Auswirkungen von sensorischer Deprivation (Dunkelheit, Stille, Schwerelosigkeit) auf die Gehirnaktivität zu untersuchen. Er fand heraus, dass das Gehirn in einen besonderen Entspannungszustand gerät, der bezogen auf die Gehirnwellenfrequenz zwischen Wachen und Schlafen angesiedelt ist (Theta-Wellen). Damalige Fachkollegen betrachteten Lillys exzessive Selbstversuche skeptisch. Man war der Meinung, dass totaler Reizentzug Menschen geisteskrank machen würde. Lilly erlebte im Floating-Tank jedoch das genaue Gegenteil und war überzeugt von der positiven Wirkung. Für den Floating-Pionier handelte es sich dabei eindeutig um veränderte Bewusstseinszustände. Besonders tiefe Bewusstseinszustände erreichte er durch die Einnahme von psychoaktiven Substanzen wie LSD oder Ketamin im Isolationstank. John C. Lilly behauptete außerdem, dass an keinem anderen Ort eine derart tiefe Entspannung für alle Muskelgruppen zu erreichen sei wie beim Floating. Er sah und erlebte Floating als Möglichkeit um „Meta-Programmierungen“ der Persönlichkeit zu verändern und beschreibt seine Erfahrungen ausführlich in dem sehr lesenswerten Buch „Im Zentrum des Zyklons“. Beeindruckend finde ich sein akribisch hypothesenprüfendes Vorgehen bei der Bewusstseinserforschung.

 

Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, bin ich floaten gegangen, um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Ich habe gleich 2 Stunden Isolation gebucht und war überrascht mit welcher Leichtigkeit mein Körper im Wasser schwebte. Anfängliche Gedankenaktivität beruhigte sich schnell. Die räumliche Orientierung verlor sich ebenfalls nach kurzer Zeit. Das Wasser fühlte sich weder warm noch kalt an. Ich konnte die meiste Zeit im Tank sehr genießen und entspannen. Gegen Ende empfand ich die zweistündige Regungslosigkeit dann doch etwas anstrengend und war dann froh als eine leise Musik mir dann signalisierte, dass die Zeit um war. Ich stieg aus dem Tank und duschte mich und war erstaunt und zugegeben auch etwas enttäuscht, das zweistündiges Floaten zwar Entspannung aber überhaupt keine veränderte Bewusstseinszustände bei mir hervorgebracht hat, obwohl ich mich nach meinem Eindruck sehr auf das Floatingerlebnis einlassen konnte. Ich habe mich allerdings den ganzen Tag wohl gefühlt und den restlichen Tag mit Sonnenschein im Park genossen.
Ich kann floaten nach meinem ersten Eindruck jedem empfehlen, der sich entspannen möchte. Eine Stunde reicht jedoch aus, ist ganz nett, führt nicht jedoch nicht gleich ins Nirvana (hier im Sinne kompletter Ich-Auflösung gemeint). Das sind zumindest auch die Floatingerfahrungen von Freunden und Bekannten. Bei etwas Übung sind jedoch vermutlich Samadhis (tiefe Versenkungszustände) zu erreichen. Gekoppelt mit einer anschließende tiefgehenden Massage wie z.B. Rebalancing kann es mit Sicherheit medizinische oder therapeutische Effekte haben und geht über den reinen Wellnessbereich hinaus. Um sich dem Nirvana anzunähern oder wie Lilly schreibt, um den menschlichen Biocomputer umzuprogrammieren braucht es vermutlich mehrstündiges exzessives floaten (mind. 3 Stunden), was körperlich anstregend wird oder/und Zusatzmittel. Die Metastudie Flotation-REST (Restricted Environmental Stimulation Technique) kommt zumindest zu dem Schluss, das Floating Entspannungsverfahren, wie progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training, überlegen sein könnte. Mein Fazit nach einem ersten Eindruck: Floating ist als Hilfsmittel zum Abschalten ganz nett, jedoch auch nicht über zu bewerten.

Ich möchte für das Floaten in Leipzig die Gesundheitspraxis Prana in der Gottschedtstrasse  empfehlen. Es hat mir dort gut gefallen! Und es wird auch die vielversprechende Kombination von  Floating und Rebalancing angeboten.

Horst Vogt

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Kommentare: 1
  • #1

    Timo Ollech (Mittwoch, 20 Mai 2015 14:34)

    Horsts Erfahrung kann ich insoweit bestätigen und auch ergänzen, als es ganz darauf ankommt, was man daraus macht. Ich habe in meinem Blog beschrieben, wie ich (ganz im Sinne John Lillys) das Floaten benutzt habe, meine körperliche Selbstwahrnehmung umzuprogrammieren: http://www.iromeister.de/floating-in-leipzig
    Entspannend ist es auf jeden Fall, und auch ich werde die Kombination mit Massage demnächst ausprobieren.